INTRODUCTION

Introduction

Liebe Blues Fans!

Ich freue mich sehr, daß mir bei euch eine Webseite offeriert wurde. Für mich alten Hasen, der vor ein paar Jahren das Internet für eine Geheimdienstorganisation gehalten hat, ist diese Möglichkeit, mich einem breiteren Publikum vorzustellen, ganz großartig.

Viele junge und dazugestossene Fans wissen oft nicht, daß ich es war, der vor nun 37 Jahren den Blues im deutschsprachigen Raum ein seriöses Gesicht gegeben hat. Bis Mitte der 60er galt der Blues selbst unter eingeweihten Jazzkreisen als bedeutungslose Baumwollpflückermusik, die zumindest die ethnologische Etikettierung „primitiv“ über sich ergehen lassen mußte. Blues und Boogie-Woogie hatte soetwas Halbseidenes an sich und wurde sogar von Schwarzen als Teufelsmusik abgetan.

„Du kannst nicht mit einer Hand Gott dienen und mit der anderen dem Teufel“ hat der Mississippi Bluesman Son House einmal gesagt. Und in der Tat schickte ihn seine Frau aus dem Haus, wenn er seine Gitarre zur Hand nahm… und ich erkor den Blues zu meiner künstlerischen Muttersprache. Das war 1964, nachdem die Beatles meinem Idol Elvis Presley den Todesstoß versetzt hatten und die Musik zu swingen aufhörte.

Als ich am 27. Februar 1945 geboren wurde galt das Konsumieren von sogenannter undeutscher „Niggermusik“ als Hochverrat. Viele Jazzfans der ersten Stunde können ein Lied davon singen, wie sie unter kaltem Schweiß unter der Decke amerikanische Soldatensender hörten, die sowieso nur harmlose Glenn Miller Hits spielten. Der Blues hatte im weiß dominierten Amerika sowieso keine Stimme. Die schwarzen Stars, die wir zu hören bekamen, waren durchwegs geölte Nachtclubtypen vom Kaliber Nat King Cole. Wenn es wirklich hoch herging, konnte man sogar Louis Jordan hören.


Dem Blues ist, wie ihren Erfindern, zu allen Zeiten Unrecht angetan worden.

Als die Giganten des Country-Blues noch auf Erden wandelten, kam ein Musicalkomponist namens George Gershwin auf die Idee, schwarze Folklore in Aspik pseudoklassischer Orchesterarrangements zu binden. Am Mississippidampfer sangen schwarze Halbsklaven mit ausgebildeten Opernstimmen und wurden pauschal als unglückliche kindische Wesen dargestellt, die sich im großen und ganzen nur selbst bemitleideten. Sogar der großen Bessie Smith unterlegte man einen Schmalzchor, als sie den St. Louis Blues zum Herzzereissen sang.

Und heute ist das nicht anders. B.B. King, der die alten Tage noch als Kind erlebt hat, muß mit Popmusikern kollaborieren um sich im Geschäft zu halten, und die große Kohle machen Eric Clapton & Co. Ich bin oft mit Clapton – Fans in harte Diskussionen verwickelt worden, weil sie es nicht wahrhaben wollten, daß er eben nur ein Exponent der Populärkultur und kein Bluesmusiker im authentisch-hostorischem Sinn ist. Ich habe nie über ihn ein Qualitätsurteil abgegeben, dazu habe ich zur Popkultur zuwenig Beziehung. Ich trete nur gegen diesen scheinbar unbesiegbaren Etikettenschwindel auf, mit dem die Medien das Publikum indoktrinieren und unsereinem jede noch so kleine Marktchance zunichte machen.


1965.

Ich fasse den Entschluß, mich nicht mehr als Elvis für Arme mißverstehen zu lassen und mache durch meinen Nachbarn Bekanntschaft mit dem authentischen Blues. Da mich diese Musik bis ins Knochenmark fasziniert, adoptiere ich den Blues als persönliche Ausdrucksform. Es genügt mir nicht, bloß Musikstücke zu interpretieren, sondern integriere meine Persönlichkeit durch autobiographische Texte.

Da auch ich mit größter Anstrengung nicht schwarz werden kann, behalte ich mein 50er Outfit bei und es ist mein Markenzeichen bis zum heutigen Tag geblieben.

Es folgen lange Jahre der Konfusion des Publikums, das mich auf Grund meiner Erscheinung für einen billigen Elvis-Imitator hält und mit meiner Bluesauffasung nicht zurechtkommt.

Doch mit dem Erscheinen der britischen Blueswelle und der Woddstockbewegung kommt das Publikum meiner Musik näher. Schnell werde ich zur lokalen Ikone und viele junge Bluesfans lernen den Sound ihrer Platten durch mich live erleben.

Doch wie ich retrospektiv bemerken muß, baute sich mein Erfolg eher auf eine Art Alien-Effekt auf, der in unserer schnellebigen Zeit bald an Anziehungskraft einbüßte. So mußte ich mir noch eine Portion missionarisches Sendungsbewußtsein zulegen.

Soweit, so gut. Solltet ihr meinen Beitrag interessant finden, bin ich gerne bereit, über verschieden Themen des Blues zu schreiben, die vielen Fans unbekannt ist, wie etwa das Teufelsmärchen um Robert Johnson.

The Blues Is Still Alive – Euer Al Cook