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ZUM TODESTAG VON ELVIS PRESLEY
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ZUM TODESTAG VON ELVIS PRESLEY AM 16. AUGUST 1977

Auszug aus meiner Biographie „Kein Platz Für Johnny B. Goode“

(Achtung: Nichts für Fanatiker!)

Die einzige außerfamiliäre Bezugsperson, die seit meinem 15. Lebensjahr mein Tun und Lassen bestimmte, war mein Jugendidol Elvis Presley. Ich übernahm erst mal seine Frisur als Markenzeichen und die trage ich bereits länger als er lebte. Dann okkupierte ich seinen Kleidungsstil, den ich bis spät in die 80er beibehielt, als ich für kurze Zeit das Rockabilly Revival mitmachte.

….doch Elvis war seit 1960, also nach seinem Wiedereinstieg ins Showbusiness nicht mehr der King für mich.
Als er aus dem Militärdienst entlassen wurde, hatte sich die Musikszene grundlegend geändert und er ließ sich willig (oder auch nicht) zum Hawaiikasperl machen, der aseptische Barbiepüppchen ansang und sich schließlich nach zappeligen Beatrhythmen bewegte, um seiner Rolle als everybodys darling gerecht zu werden.
1968 versuchte er zwar im Lederoutfit noch einmal den harten Rocker zu machen, aber der jungenhafte Charme, die wilden Sakkos, die allzu bequemen schenkelweiten Slacks und seine fast geilen zweifärbigen Schuhe waren einfach nicht mehr zurückzuholen. Er sah immer noch blendend aus, aber seine Bühnenpräsenz hatte bereits einen Anstrich von Manierismus. Elvis war für „That’s Allright Mama“ und „Hound Dog“ schlichtweg zu erwachsen geworden. Da half es auch nicht mehr, daß sich Scotty Moore, sein legendärer Sologitarrist, breitschlagen ließ und die Originalbegleitung aus alten Hayride-Tagen auferstehen ließ. Die Jahre, in denen Elvis seine geschmacklosen Seifenopern drehte, hatten ihm die Schneid gekostet und seine Fans, die ihm immer noch die Treue hielten, kämpften schon mit den ersten grauen Strähnen. Gegen einen Jimi Hendrix hatte er keine Chance mehr. Wenn die beiden auch musikhistorisch nicht zu vergleichen waren, in punkto Bühnenpräsenz, Erotik und Draufgängertum hatte der King nichts mehr entgegenzusetzen. Er war für die Musikgeschichte zu einer unantastbaren, gottähnlichen Institution geworden, die aus sich selbst lebte und seine ikonenhafte Gestalt befand sich bereits seit langem im Leerraum jenseits jeder Kritik...das ist für einen aktiven Künstler der Anfang vom Ende, weil es in diesem Stadium nichts Konstruktives mehr gibt.