Pioneer and Legend Baumwolle Baumwolle
AL COOK - THE WHITE KING OF BLACK BLUES - Seite 3
Biographie
Seiten Index
Seite 1
Seite 2
Seite 3
Seite 4
Seite 5
Seite 6
Seite 7
All Pages

Nebenbei begann Al auch seinen Wunsch Bluespianist zu werden, in die Tat umzusetzen. Zwar hatte er nie ein Klavier besessen, aber so zog er halt nach der Sperrstunde durch die Kneipen und überall dort, wo man ihn ließ, klimperte er solange auf den schwarzweißen Tasten herum, bis er sich auch auf diesem Instrument orientiert hatte. Seine bisher, wie alles, selbst erworbene Fertigkeit ist auf seiner neuesten CD "Victrola Blues" bei Cut 1 ("St. Louis Woman Blues"), Cut 15 ("Beale Street Breakdown") und Cut 20 ("At The Barrelhouse") zu bewundern.

Und jetzt begann natürlich das Problem der Auftritte. So trat er einer Tanzband, die sich "Spacemen" nannten, bei und wurde bei deren Engagements jeweils für eine Viertelstunde Elvis Presley. Nur war natürlich während der Dauer seines Studiums der Geschmack des Publikums ein anderer geworden. Jetzt - Mitte der 60er-Jahre - wollten die Leute Beatles- und Rolling-Stones-Nummern hören und waren am Rock'n'Roll nicht interessiert. Und so war Al Cook bereits während seiner ersten Schritte im Showbusiness ein Anachronismus und irgendwie in die Isolation gedrängt. Damit war das Ende Al's bei den Spacemen eigentlich auch schon abzusehen. Passiert ist es dann 1966 bei einem Bandwettbewerb in der Tenne. Bei einer Jury, die aus Models und Hausfrauen zusammengesetzt war, durfte man zu dieser Zeit ganz einfach nicht "Love Me Tender", "Massachusetts" in einer instrumentalen Slide-Guitar-Fassung und einen originalen Chicago-Blues vortragen. Die Band fiel mit Pauken und Trompeten durch und die Bandmitglieder bedachten Al nicht gerade mit den feinsten Namen. Die Trennung war durchaus logisch. Danach war sich Al Cook nunmehr absolut klar darüber, daß seine Zukunft nur der Blues sein konnte. Auch das Spielen mit Bands erweckte fortan seine Skepsis. Er begab sich wieder für ca. ein Jahr in die selbstgewählte Klausur und perfektionierte sein Können. In einer Buchhandlung in Wien in der Wollzeile, der eine Spezialschallplatten-Abteilung angeschlossen war, fand eine Verkäuferin seinen Enthusiasmus einfach rührend und ließ ihn sich viele Tage und Abende lang durch die lagernden schwarzen Scheiben durchhören. Und damit begann er auch sich seine ersten Bluesplatten zu kaufen. Die Verkäuferin gab ihm in der Folge auch die Adresse von Johnny Parth, wodurch Al Cook erst in die verschworene Gemeinde der echten Bluesfanatiker eindringen konnte. Er und Johnny freundeten sich rasch an und Al bezieht bis heute alle seine "Lehrmittel" von Document-Records. 1967 gründete er die "Al Cook's Blues Classic" mit Baß und Schlagzeug. Doch diese Verbindung hielt nur ein paar Monate, weil die beiden Bandmitglieder eher zur neuen Pseudo-Blueswelle der englischen Musiker á la John Mayall, Eric Clapton oder Canned Heat tendierten. Für Al waren dies aber Popmusiker, die sich gewisser Blues-Elemente bedienten. Er selbst war ja dem bodenständigen und erdigen Original-Blues der 20er- und 30er-Jahre verfallen. So brach diese Verbindung schon 1968 wieder auseinander.