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40 TOUGH BLUES YEARS
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Anläßlich meiner 40jährigen Tätigkeit in der Österreichischen Musikszene © Al Cook 2004.

 40 TOUGH BLUES YEARS

An einem Wochenende des Jahres 1964 entschloß sich ein kleiner, schmalgepickter Jüngling, der fast ein Jahr sparen mußte, um sich Elvis-Koteletten zuzulegen, eine friß-oder-stirb Entscheidung zu treffen, nämlich aus der sogenannten normalbürgerlichen Welt auszusteigen um Künstler zu werden.
Vier Jahre zuvor faßte er nach dem zufälligen Besuch einer Kinovorstellung den unabänderlichen Entschluß mittels einer Starkarriere als Musiker der tristen Mittelmäßigkeit eines proletarischen Fabrikarbeiterdaseins zu entfliehen. Als geborenen Individualisten und Überzeugungstäter forderte ihm das Leben aber oft unbeugsame Härte zu sich selbst ab, denn Trend, Gesellschaft und Zeitgeist arbeiteten gegen ihn. Aufgewachsen im Vorkriegsgeist und geprägt von den Lebensstilelementen der 50er Jahre mußte sich der Jüngling, der bis dahin noch Alois Kurt Koch hieß, gegen die „progressive“ Erwachensbewegung der 60er durchsetzen. Ab Mitte der Sixties beherrschten nacheinander Beatles, Stones, der Woodstock und schlußendlich der Hippiekult aus San Franciscos Studentenszene das Denken der neuen Generation. Und mittendrin ein verbohrter Einzelgänger, der es nicht akzeptierte, daß man Elvis vom Thron stieß, dem Rhythmus den Swing nahm und die Freude an der Musik durch eine weltweite Drogenkultur ersetzte. Das hatte unausbleibliche Folgen für seine soziale Situation. Ausgegrenzt und zum bestaunten aber belächelten Alien gestempelt, schien die Starkarriere bereits nach dem ersten Betreten der Bretter, die schon sovielen Vorgängern die Welt bedeuteten, wie eine Luftblase zu zerplatzen. Fast zeitgleich lernt der junge Musiker durch ein geliehenes Tonband die faszinierende Welt des historischen Blues kennen. Damals hatte in unseren Landen kein Mensch auch nur die geringste Ahnung vom Blues, wie ihn die Schwarzen im Süden der USA spielten. Jazzfans waren die Einzigen, denen der Blues ein Begriff war, aber er spielte keine besondere Rolle. Seit den späten Vierzigern nahmen Bebop und Modern Jazz den Platz von Boogie, Swing und Dixie ein. Der Mainstream kam aber nicht einmal mit diesen Formen der Musik in Berührung und sogenannte anständige Bürger klebten sowieso seit zweihundert Jahren an Mozart und Beethoven.
Der geschichtsträchtige Debutauftritt am 17. Oktober 1964 mußte daher als fetter Bauchfleck enden.
Da entschloß sich Alois Kurt Koch seine bisherige Identität wie ein Kokon abzulegen und zu AL COOK zu mutieren.