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Eine ethnologische Studie - © by Al Cook 2003

BLUES UND SEX

Wer sich jetzt einen Baumwollporno mit Gitarrenbegleitung erwartet, sollte sich lieber in den entsprechenden Internetseiten umsehen. In dieser Folge möchte ich viele Irrtümer, die schwarzer Erotik im Vergleich zur weißen Gesellschaft anhängen, aufklären.
Mit dem Einfließen Afro-Amerikanischer Elemente in die weiße Alltagskultur und der folgenschweren Amerikanisierung  der Abendländisch-Europäischen Moralvorstellungen erwies es sich nur als logisch, daß es zu Reibereien zwischen derartig unterschiedlichen Systemen kommen würde. Bereits im Ursprungsland Amerika gab es nach dem Zusammenbruch der Segregation durch die frühe Rock'n'Roll Kultur schlimmste Kontroversen, die sich durch das unmittelbare Aufprallen scheinbar lockerer Sitten auf die puritanische Welt sektiererischer weißer Südstaatler entluden. Selbst mittelständische Schwarze versuchten krampfhaft, das afrikanische Erbe abzuschütteln, verteufelten das Bild des hemmungslosen „Buck Niggers“, des ewig geilen „Niggerbocks“, der bindungsunfähig, alles was eine Schürze anhat, flachzulegen. Bei den Weißen war es der ewige Penisneid-Komplex, der die Vorstellung nährte, daß Schwarze über grenzenlos unermüdliche Potenz verfügen, die den weißen Mann auf den letzten Platz verweisen. Ebensolche Schwachheiten dichtet man den farbigen Frauen an. Sie seien leicht zu haben, unersättlich und auch perversen Spielchen nicht abgeneigt zu sein, von weißen Männern nicht viel halten und wenn nötig, aus materialistischen Motiven bereitwillig ihren Körper verkaufen.
Unser abendländisch-christliches und vor allem katholisches Weltbild hat mit Erotik und Sexualität schon immer Probleme gehabt. Die katholischen Ethik- und Moralvorstellungen stellen bereits den Sexualtrieb an sich als ewig mit Erbsündcharakter behaftetes Phänomen dar. Warum mußte die Existenz Christi unbedigt einer unbefleckten Jungfrauengeburt zugeschrieben werden ? Nun, Gottes Sohn konnte doch nicht durch die menschliche Lust gezeugt worden sein, wo kämen wir denn da hin. Doch warum ist gerade unsere Religion so körperfeindlich. Selbst das Judentum, aus dem unser christliche Glaube hervorgeht, kennt den verheirateten Rabbi und die alttestamentarischen Erzväter waren noch der Polygamie verhaftet, die es im Orient und in der Bruderreligion des Islam heute noch gibt. Offensichtlich stammt die Sexualfeindlichkeit vom Apostel Paulus, der ein kleiner, häßlicher, rothaariger neurotischer Frauenfeind und Choleriker war. (Zitat: „In der Kirche hat das Weib zu schweigen!“). Den Höhepunkt solcher Prüderie aber erreichte diese Moral unter der Wilhelminisch-Josefinisch-Viktorianischen Herrschaft, die mit Ende des Ersten Weltkrieges langsam dem Zerfall entgegenging. Und die fällt mit der Entstehung der modernen Afro-Amerikanischen Gesellschaftsentwicklung zusammen und deren musikkulturellen Ausdruck kennt man heutzutage als Blues.